Planungsrecht - Netzplanung

19.12.2013

Klage gegen Höchstspannungsfreileitung bei Krefeld überwiegend erfolgreich



Das Bundesverwaltungsgericht hat der Klage der Stadt Krefeld gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der 7,4 km langen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung, die auf einem Teilstück unmittelbar am Ortsrand verläuft, wo sich Wohnbebauung, der sich die Trasse bis auf etwa 30 m nähert, befindet, im Wesentlichen stattgegeben.



Es hätte einer Umweltverträglichkeitsprüfung bedurft. Für Höchstspannungsfreileitungen mit einer Länge zwischen 5 km und 15 km und einer Nennspannung von 110 kV oder mehr, verlangt das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) hinaus eine Vorprüfung zur Klärung der Frage, ob das Vorhaben erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen haben kann. Ist dies der Fall, ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchzuführen.



Die Beklagte hat auf der Grundlage eines von der Vorhabenträgerin vorgelegten Gutachtens solche erheblichen Umweltauswirkungen im Hinblick auf die Belastung der Wohnbevölkerung mit elektromagnetischen Feldern verneint, weil die maßgeblichen Grenzwerte unterschritten würden.

Dem lagen Berechnungen zugrunde, wonach die elektrische Feldstärke an zwei Immissionsorten 4,2 kV/m und 3,8 kV/m erreichte und damit unterhalb des Grenzwerts von 5,0 kV/m blieb.

Damit verkannte die Beklagte den Begriff der erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen. Die Belastung mit elektromagnetischen Feldern auch unterhalb der Grenzwerte ist in der Abwägung zu berücksichtigen.

Dies zwingt jedenfalls dann zur Annahme einer erheblichen nachteiligen Umweltauswirkung, wenn die Immissionen sich den Grenzwerten deutlich annähern.

Nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz (UmwRB) konnte die Stadt Krefeld damit verlangen, dass der Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt wird. Ob sich das Unterlassen der Umweltverträglichkeitsprüfung auf den Planfeststellungsbeschluss oder die Rechte der Stadt Krefeld ausgewirkt hat, spielt keine Rolle.



Die Planfeststellungsbehörde hat aufgrund der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts die Möglichkeit, die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung in einem ergänzenden Planfeststellungsverfahren nachzuholen und auf dieser Grundlage einen Planergänzungsbeschluss zu erlassen.



BVerwG 4 A 1.13 - Urteil vom 17. Dezember 2013



Fazit: Aufgrund des Umweltrechtsbehelfsgesetzes kann eine Gemeinde eine unterbliebene Umweltverträglichkeitsprüfung gerichtlich rügen, ohne dass sie in eigenen Rechten betroffen ist.



Erhebliche nachteilige Umweltauswirkung im Sinne des UmwRG liegen nicht erst dann vor, wenn die Immissionen Grenzwerte überschreiten, sondern schon, wenn sich die Immissionen diesen Grenzwerten deutlich annähern.




Zurück