Energierecht

19.03.2014

Spitzenausgleich – Möglichkeit für produzierendes Gewerbe, die Stromrechnung zu reduzieren

Ab einem Stromverbrauch von jährlich 200.000 kWh kann es für produzierende Unternehmen lohnen, die Voraussetzungen für eine Rückerstattung der Stromsteuer zu prüfen.
Neben einem entsprechenden Antrag beim zuständigen Hauptzollamt bis zum 31.12. des Folgejahres wird ab dem Antragsjahr 2015 das Vorhandensein eines Energie- oder Umweltmanagementsystems im Unternehmen gefordert. Für 2013 und 2014 ist ausreichend, wenn mit der Einrichtung eines solchen Systems begonnen wurde. Unternehmen, die solch ein System bereits eingeführt haben, benötigen für den Antrag auf Rückerstattung der Stromsteuer jedes Jahr eine erneute Testierung des Energie- bzw. Umweltmanagementsystems.

Zulässige Energiemanagementsysteme (EMS):
- Regelverfahren für alle Unternehmen:
-- Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001
-- EMAS-System nach EG-Verordnung Nr. 1221/2009
- Alternative Verfahren für kleine und mittlere Unternehmen (d.h. Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis 50 Mio. EUR):
-- Energieaudit nach DIN EN 16247-1
-- Testat nach Anlage 2 der Spitzenausgleich-Effizienzsystemverordnung (SpaEfV)

Die Verfahren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Zielsetzung. Während das EMAS-System Anforderungen und Methoden festlegt, um Umweltauswirkungen zu messen und zu verbessern, will die ISO 50001 Unternehmen helfen ihre energiebezogenen Leistungen zu verbessern.
Beide Verfahren haben Auswirkungen auf Unternehmensstruktur und Betriebsabläufe, beide sind arbeitsaufwendig und kostenintensiv.

Vorteile von ISO 50001 gegenüber EMAS:
- Einführung in der Regel preiswerter
- weltweit gültig, nicht nur in Europa
- weist den Weg zu Energieeinsparungen, damit gewinnt nicht nur die Umwelt, sondern auch das Unternehmen

Bei einem Energieaudit nach DIN EN 16247-1 wird nach technischen und prozesstechnischen Verbesserungspotentialen gesucht. Es umfasst Bestandsaufnahme und Analyse der energetischen Situation und schließt mit einer Zertifizierung ab. Die Kosten betragen etwa ein Viertel einer EMAS-Zertifizierung.

Die einfachste und preisgünstigste Alternative ist ein EMS nach Anlage 2 der SpaEfV. Hier werden nur die eingesetzten Energieträger sowie die Energie verbrauchenden Anlagen und Geräte erfasst und analysiert, sowie mögliche Einsparpotentiale aufgezeigt. Dieses EMS kann auch in Eigenregie eingeführt werden. Dazu kommt – wie bei allen Systemen – die jährliche Testierung.

Für kleine und mittlere Unternehmen ist zwar ein EMS nach Anlage 2 der SpaEfV im Hinblick auf den Antrag auf Spitzenausgleich ihrer Stromrechnung völlig ausreichend, im Hinblick auf das Aufdecken von Energieeinsparmöglichkeiten kann jedoch auch für diese Unternehmen die (ggfs. auch nur teilweise) Einführung eines EMS nach DIN EN ISO 50001 lohnen.



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