BVerwG: Keine materielle Präklusion auch bei Einwendungen ohne Umweltbezug

09.11.2017

Leitsätze:

1. Quarz und Quarzit, die sich zur Herstellung von feuerfesten Erzeugnissen eignen, sind auch dann grundeigene Bodenschätze im Sinne von § 3 Absatz 4 Nr. 1 BBergG, wenn eine entsprechende Verwendungsabsicht nicht besteht.

2. Die § 73 Absatz 4 Satz 3 VwVfG geregelte materielle Präklusion ist auch insoweit mit Artikel 10 a Abs. 1 UVP-RL a. F., Art.11 Absatz 1 UVP-RL unvereinbar, als sie Einwendungen betrifft, die keinen unmittelbaren Umweltbezug aufweisen.

BVerwG, Urteil vom 30. März 2017 – 7 C 17.15

Vorinstanzen:
VG Saarlouis vom 10. Oktober 2012 Az: VG 5 K 391/10
OVG Saarlouis vom 19. März 2014 Az: OVG 2 A 330/12


Aus den Gründen:

Aufgrund der je eigenständigen rechtlichen Bewertung der verschiedenen Stufen des unionsrechtlich geforderten weitreichenden Zugangs zu gerichtlicher Überprüfung bestimmter Entscheidungen bleibt es dabei, dass die Prüfung der Begründetheit der Klage einer Gemeinde ungeachtet des Umstands, dass deren Erfolg – unbeschadet der Regelungen in § 4 Abs. 3 i. V. m. Abs. 1 UmwRG – von der Verletzung eigener subjektiver Rechte abhängt (vgl. BVerwG, Urteile vom 6. November 2013 9 A 9.12 – Buchholz 11 Art. 28 GG Nr. 165 Rn. 19 und vom 28. April 2016 9 A 8.15 – juris Rn. 14 –, m. w. N.), durch die Anordnung eines Einwendungsausschlusses nicht beschränkt werden darf.


Quelle: ZUR 2017, 539, beck-online


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